Maintal: Widerstand gegen Rechenzentrum in Deutschland
Im hessischen Maintal bei Frankfurt plante der US-Konzern Edgeconnex eines der größten Rechenzentren Deutschlands. Rund eine Milliarde Euro sollte investiert werden, versorgt über ein eigenes Gaskraftwerk. Doch zwei Ruheständler aus der Nachbarschaft wollten das nicht hinnehmen, und sie haben Erfolg gehabt, wie der Spiegel berichtet(öffnet im neuen Fenster).
Nimby oder berechtigte Kritik?
Die beiden Männer sammelten dem Bericht nach Daten, druckten Projektunterlagen aus, füllten Aktenordner und rechneten aus, dass der jährliche CO2-Ausstoß des geplanten Gaskraftwerks etwa drei Viertel aller Starts und Landungen am Frankfurter Flughafen entsprechen würde. Die Ruheständler verteilten dem Bericht nach Flugblätter, reichten einen 25-seitigen Einspruch beim Regierungspräsidium in Darmstadt ein und sprachen mit Vertretern jeder Fraktion im Stadtparlament. Zu ihrer Infoveranstaltung im Februar 2026 kamen 200 Anwohner.
Das Argument der Gegner: Das Projekt würde das erste fossile Rechenzentrum Europas werden. Die Frage, ob digitale Infrastruktur auf fossilen Brennstoffen aufgebaut werden dürfe, sei nicht nur ein lokales, sondern ein grundsätzliches Problem.
Anfang Mai 2026 informierte Bürgermeisterin Monika Böttcher dem Bericht nach die Stadtverordneten, dass Edgeconnex das Projekt vorerst auf Eis gelegt hat. Der Konzern suche nach Alternativen bei der Stromversorgung. Wann und ob er sich wieder melde, sei unklar.
Ungleich verteilte Lasten
Soziologin Cordula Kropp von der Universität Stuttgart sieht in solchen Protestbewegungen kein ungewöhnliches Muster. Die Initiatoren seien meist höher gebildet, gut vernetzt und finanziell abgesichert, teilte sie dem Spiegel mit. Häufig treibe sie das Gefühl an, dass Nutzen und Lasten ungleich verteilt seien. Die Konzerne machen Gewinne in Milliardenhöhe, die Gemeinden tragen die Folgen.
Eine Studie der Kölner Beratungsgesellschaft IW Consult(öffnet im neuen Fenster) gibt den Kritikern zusätzliche Argumente. Sie kommt zu dem Schluss, dass Kommunen unter finanziellen Gesichtspunkten in der Regel einen Chemie- einem Rechenzentrumsstandort vorziehen sollten. Denn in großen Rechenzentren arbeiten dauerhaft nur wenige Menschen, Gewerbe- und Lohnsteuereinnahmen bleiben gering.
Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU) hat unterdessen eine nationale Rechenzentrumsstrategie vorgelegt, die eine Verdoppelung der Kapazitäten bis 2029 vorsieht. Er erkennt an, dass sich viele Kommunen benachteiligt fühlen, und will dafür sorgen, dass mehr Gewerbesteuer an sie fließt.
Kleiner, grüner, lokaler
Schadt und Behrend sagen, sie seien nicht gegen Rechenzentren an sich. Sie schlagen vor, kleinere Anlagen zu bauen, die sich ans bestehende Stromnetz anschließen und zumindest teilweise mit erneuerbaren Energien betreiben ließen, möglichst dort, wo die Abwärme direkt genutzt werden könnte. Inzwischen haben sich andere Bürgerinitiativen aus der Region bei ihnen gemeldet, um Rat einzuholen.
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